Forschung

Qualitätsmanagement

Einleitung ins Qualitätsmanagement – die ISO 9000 Familie

IIGS Qualitätsmodell

In der Vergangenheit wurden am IIGS Möglichkeiten zur Beschreibung der Qualität von räumlichen Informationen oder Daten innerhalb verschiedenster Forschungsprojekte untersucht (siehe hierzu auch die Beschreibung des IIGS Qualitätsmodells. Dies wurde in den letzten Jahren immer mehr auf ein umfassendes Qualitätsmanagement System (QMS) erweitert, da moderne QMS eine wohldefinierte Beschreibung der Produkt- oder Prozessqualität verlangen. In diesem Zusammenhang wurde am Institut eine Zusammenstellung existierender Qualitätsmanagement Systeme erarbeitet. Dabei wurden sowohl allgemeine QMS als auch solche die sich insbesondere für räumliche Daten eignen, untersucht. In den folgenden Abschnitten erfolgt zunächst eine kurze Einführung sowie die Beschreibung der angesprochenen QMS.

Einleitung ins Qualitätsmanagement – die ISO 9000 Familie

Laut ISO 9000 wird das Qualitätsmanagement als “aufeinander abgestimmte Tätigkeiten zum Leiten und Lenken einer Organisation bezüglich Qualität” definiert. Unter Qualität versteht man hierbei den „Grad, in dem ein Satz inhärenter Merkmale Anforderungen erfüllt“. „Leiten und Lenken bezüglich Qualität umfassen üblicherweise das Festlegen der Qualitätspolitik und der Qualitätsziele, die Qualitätsplanung, die Qualitätslenkung, die Qualitätssicherung und die Qualitätsverbesserung“.

Die ISO 9000 Familie legt einige grundlegende Anforderungen an die Implementierung von Qualitätsmanagement Systemen fest. Dies hilft „beim Verwirklichen von und beim Arbeiten mit wirksamen Qualitätsmanagementsystemen“. Die ISO 9000 beschreibt dabei die Grundlagen des Qualitätsmanagements, ISO 9001 legt Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme für Organisationen fest und die ISO 9004 definiert Richtlinien in Ergänzung zur ISO 9001.

Die ISO 9000 Familie beschreibt nur die Anforderungen an ein QMS, legt jedoch selbst keine Anforderungen an Produkte oder Prozesse vor. Sie ist nur die Grundlage zur Einführung und Bewertung von Qualitätsmanagement Systemen. Konkrete Produktanforderungen werden demnach durch die Kunden oder das jeweilige Unternehmen selbst definiert.

Bestehende Qualitätsmanagement Konzepte

Zur Realisierung eines in ISO 9000 beschriebenen Qualitätsmanagements kann eine Vielzahl verschiedener QM Konzepte verwendet werden. Im Folgenden werden beispielhaft drei existierende Konzepte vorgestellt, die grundsätzlich auch für ein Qualitätsmanagement für räumliche Daten in Frage kommen. Danach wird ein neues, weiterentwickeltes Konzept vorgestellt, welches im Rahmen des EU Forschungsprojektes ROSATTE entwickelt wurde Es baut auf die vorigen Konzepte auf und erfüllt die speziellen Projektanforderungen.

PDCA

PDCA (auch bekannt als Deming-Kreis) wurde von William Edward Deming entwickelt. Es besteht aus den vier Phasen plan, do, act und check. Die meisten Qualitätsmanagement Konzepte bauen entweder auf PDCA auf oder wurden davon abgeleitet. Die individuellen Phasen werden in ISO 9001 wie folgt beschrieben:
Plan: Erarbeiten von Zielen und Prozessen die notwendig sind, um Ergebnisse entsprechend der Kundenanforderungen zu erzielen
Do: Prototypische Implementierung dieser Prozesse
Check: Beobachten und Monitoring der Prozesse und der entstehenden Produkte und Vergleich mit den zuvor festgelegten Zielen und Anforderungen
Act: Durchführung notwendiger Maßnahmen zur kontinuierlichen Steigerung der Prozessleistung

Die vier Phasen bilden hierbei einen Kreis der kontinuierlichen Verbesserung. Die qualitätsgesicherte Prozessentwicklung wird in PDCA nicht behandelt.

TQM

Total Quality Management (TQM) ist eine Management Philosophie, die ganz auf den Wertschöpfungsprozess fixiert ist. Dabei stehen alle Personen im Fokus, die in irgendeiner Weise Anforderungen auf die Qualität des Endprodukts formulieren: (externe) Kunden aber genauso interne Kunden und sonstige Beteiligte.

Innerhalb des TQM wird die gewünschte Produktqualität durch das Erfüllen der Kundenanforderungen und Kundenwünsche erreicht. Da sich aber diese Anforderungen ständig verändern, besteht auch ein ständiger Bedarf an Verbesserung.

Die Qualitätsverbesserungen werden dabei durch die Formulierung konkreter Ziele erreicht, unter Berücksichtigung aller verfügbaren Qualitätsanforderungen. Die Beschreibung eines Qualitätszieles muss dabei immer folgende Punkte enthalten:

  • Konkrete Formulierung des Inhalts
  • Zeitrahmen
  • Zielverantwortlicher
  • Spezifikation des Arbeitsaufwandes
  • Benötigte Ressourcen
  • Beschreibung allgemeiner Bedingungen
  • Wie soll die Erreichung der Ziele gemessen werden?
  • Art der Dokumentation
  • Was soll nach Erreichen der Verbesserung weiter passieren?

Six Sigma

Der Ursprung von Six Sigma liegt in der Qualitäts-Planung zur Implementierung von Null-Fehler-Strategien und führt zu hohen Qualitätseigenschaften von Prozessen.

Six Sigma Projekte fordern eine steigende Kundenzufriedenheit durch Erfüllung der Kundenanforderungen. Alle Probleme, die dies verhindern könnten müssen identifiziert und abgestellt werden. Das Ziel muss die vollständige Erfüllung der Kundenanforderungen sein.

Es gibt verschiedene Methoden zur Umsetzung von Six Sigma Projekten. Tabelle 1 zeigt vier der bekanntesten und gibt einige weitere Informationen.

Methode Beschreibung
Stand-Alone-Tool (or SAT) Verwenden von individuell ausgewählten Werkzeugen zur Erreichung von punktuellen Verbesserungen.
DMAIC Define – Measure – Analyse – Improve – Control/Check: Standardmethode zur Verbesserung existierender Prozesse. Oftmals wird Six Sigma nur auf diese Methode reduziert.
QuickHit Eine Kurzform von DMAIC, die sich zur schnellen Verbesserung einzelner Prozesse eignet. Dies führt zu erhöhter Akzeptanz der Änderungen.
Design for Six Sigma (DfSS) Methode zur Entwicklung neuer Produkte und Prozesse.

Tabelle 1: Six Sigma Methoden

Projektspezifisches Qualitätsmanagement System

Um auch spezielle Projektanforderungen an ein QMS erfüllen zu können, werden am IIGS maßgeschneiderte QM Konzepte entwickelt. Zum Beispiel wurde innerhalb des ROSATTE Projektes ein QM Konzept benötigt, welches sowohl die Projektentwicklungsphase begleitet und dabei hilft, die Projektziele zu erreichen. Es sollte aber auch die weitere Nutzung der Erfahrungen aus der Entwicklung sowie der definierten Qualitätsparameter bei einer späteren Umsetzung von ROSATTE ermöglichen.

Von den zuvor vorgestellten QM Systemen eignet sich hierfür besonders die Six Sigma Methode. Sie wurde dann weiter verfeinert und abgewandelt, sodass schließlich ein zwei-Phasen QM Konzept daraus entstand. Abbildung 1 zeigt einen Überblick über das entwickelte Konzept.

Die erste Phase basiert auf der Design for SixSigma Methode (auch bekannt als DMADV, der Abkürzung der beinhalteten Phasen) und kann während der Projekt-/ Produktentwicklungsphase angewendet werden. Die zweite Phase setzt dann auf den zuvor definierten Qualitätsparametern und Evaluierungsmethoden auf. Es kann während der späteren Produktproduktion angewandt werden, die sich direkt an die Entwicklung anschließt. Das QMS dieser Phase sorgt hauptsächlich für ein Qualitätsmonitoring und Qualitätssicherung. Dafür wird auch ein sogenannter Action-Plan verwendet, der auf Erfahrungen zur Behebung von Fehlern aus der Produktentwicklung aufbaut. Diese zweite Phase entspricht der Six Sigma DMAIC Methode, die wohl am bekanntesten Six Sigma Methode.

 (c) Abbildung 1: ROSATTE Qualitätsmanagement System (© iigs)

Ansprechpartner:

Volker Schwieger
Prof. Dr.-Ing. habil. Dr. h.c.

Volker Schwieger

Institutsleiter

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